Voß-Orte

Johann Heinrich Voß

J. H. Voß aus seinem Jugendleben „Ich ward geboren am 20. Februar 1751 zu Sommerstorf […]. Mein Vater […] hatte, noch unschlüssig in der Wahl des Ortes, hier für den Winter ein bequemes Haus gefunden.“

Briefe von Johann Heinrich Voß, nebst erläuternden Beilagen. Hg. von Abraham Voß. Bd. 1 (Halberstadt 1829) S. 3.

 

 

Älteste Ansicht der Stadt Penzlin um 1840. Kolorierter Stahlstich

„Hier also war´s, wo ich zuerst Vater und Mutter lallte, und die ersten Eindrücke der Kindheit empfing. Ein artiges Städtchen auf einer Anhöhe mit alter Mauer, bebüschtem Wall, und einer verfallenen Burg; ein weites, sanfthügliches Stadtgebiet vom triebsamsten Grund, Waldungen von Eichen und Buchen, fischreiche Seen durch Wiesenbäche zusammenfließend; umher eine Menge

Briefe von Johann Heinrich Voß, nebst erläuternden Beilagen. Hg. von Abraham Voß. Bd. 1 (Halberstadt 1829) S. 6.

Bildquelle: Meklenburg in Bildern. Hg. von Georg Christian Friedrich Lisch. Rostock: J.G. Tiedemann 1842-45. Teil 4 (1845), S. 249/Stadtarchiv Penzlin.

Das Herrenhaus zu Ankershagen vor 1902

Johann Heinrich Voß an Abraham Gotthelf Kästner am 8. Juli 1771: „In meinem achtzehnten Jahre glaubten meine Lehrer, daß ich mit nutzen die Akademie beziehn könnte; allein meine Glücksumstände verboten es mir. Kurz darauf ward mir die hiesige Informatorstelle bei den Kindern des Herrn Klosterhauptmann von Örtzen an die Hand gegeben, die mir der einzige Weg zu einem Fortkommen schien.“

Briefe von Johann Heinrich Voß, nebst erläuternden Beilagen. Hg. von Abraham Voß. Bd. 1 (Halberstadt 1829) S. 53.

Bildquelle: Schlie, Friedrich, Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, Bd. 5: Die Amtsgerichtsbezirke Teterow, Malchin, Stavenhagen, Penzlin, Waren, Malchow und Röbel (Schwerin i.M. 1902) S. 299 / Stadtarchiv Penzlin 

Johann Heinrich Voß an Ernst Theodor Johann Brückner, Göttingen, den 26. October 1772:

„Am Sonnabend um vier Uhr kommen wir (Sie kennen uns ja schon) bei einem zusammen. Klopstocks Oden und Ramlers lyrische Gedichte, und ein in schwarz-vergoldetes Leder gebundenes Buch mit weißem Papier in Briefformat, liegen auf dem Tisch. Sobald wir alle da sind, liest einer eine Ode aus Klopstock oder Ramler her, und man urtheilt alsdann über die Schönheiten und Wendungen derselben, und über die Declamation des Vorlesers. Dann wird Kaffe getrunken, und dabei, was man die Woche etwa gemacht, hergelesen und darüber gesprochen. Dann nimmt es einer, dem’s aufgetragen wird, mit nach Hause, und schreibt eine Kritik darüber, die des anderen Sonnabends vorgelesen wird. Das obige schwarze Buch heißt das Bundesbuch, und soll eine Sammlung von den Gedichten unsers Bundes werden, die einstweilen durchgehends gebilligt sind.“

In: Johann Heinrich Voß, Briefe I, hrg. Abraham Voß, S. 96-97.




„Die Gegend ist im Sommer recht gut; aber im Winter und Herbst sehr traurig. Wir haben hier tiefe Marsch, also weder Berge noch Quellen noch Wälder. … Meine Erholung vom Karrenziehen ist Ernestine, der einzige Freund und die einzige Freundin, die ich hier habe; und der kleine freundliche Junge, der täglich klüger wird. Diese stärkten mich, daß ich die Odyssee vollenden konnte.“

Johann Heinrich Voß an Johann Martin Miller, Otterndorf, 28. April 1779. In: Briefe von Johann Heinrich Voß nebst erläuternden Beilagen hg. von Abraham Voß, 2. Band. Halberstadt 1830, S. 104f.

„[…] Als Rector kann ichs wohl nicht beßer finden, als ichs hier jezo habe, da das Gehalt etwas erhöht, u mir das Stolbergische Haus zur Wohnung gekauft worden. Ich wohne nah am Felde, u habe hinter meinem Garten den schönen großen Eutiner See, den du auf der Landkarte sehen kannst. Rund umher sind die lieblichsten Gegenden. […]“

in : Der Briefwechsel zwischen Johann Martin Miller und Johann Heinrich Voß, hrsgg. von Manfred Stosch unter Verwendung von Vorarbeiten von Alain Faure.  Berlin, 2012. (Johann Heinrich Voß an Johann Martin Miller, Eutin den 25. Sept. 1785. Brief 64, S. 203).

[…] ich werde, obgleich mit schwerem

Herzen, von meinen Gönnern und Freunden in Weimar und hier, von

meinem ländlichen Hause, von meinem behaglichen Studierstübchen, von

meinen gepflanzten Bäumen und Blumen mich loswinden und folgen,

wohin der edelste Kurfürst mit so ehrender Freigebigkeit zum stillen

Anbau der Wissenschaften mich einladet. […]

Johann Heinrich Voß an den Geh. Referendär Hofer in Karlsruhe, 26.April 1805

Heinrich Wilhelm Budde (24. August 1786 – 1. März 1860) verabschiedet sich im April 1808 von Heidelberg und der Familie Voß:

„Noch einmal der Abendweg zu Voss hin, noch einmal die heitre Einfachheit und Herzlichkeit der beiden Alten. […] Nüsse und Äpfel und Brot, das war es, was uns fünf ganze Monate hindurch so glücklich sein liess. Manches herrliche und ächt freundschaftliche Gespräch wurde dazu geführt, und die Vergangenheit und Zukunft mit glühendem Andenken gefeiert. […] S. 342

Aus diesem treubiederen Kreise zu scheiden, von dem Vater voll wahrhaftiger Rechtschaffenheit, von der freundlichen, gutmeinenden Ernestine, vom milden Voss, o wer da kalt bleibe, der verdiente nie froher und einfacher Manschen Liebe zu besitzen. […] S. 344

In: Wilhelm Budde’s Heidelberger Tagebuch aus den Jahren 1807 und 1808. Hrg. Von D. Karl Budde, Heidelberg 1920.